Idols of Modernity

The Human Desire for Meaning and the Migration of the Holy

Prof. Dr. William T. Cavanaugh (Chicago)
lic. theol. Francesco Papagni  (Zürich)
Prof. Dr. Johannes Corrodi (Zürich)

August 3 – 7 2026, Mariastein/SO

The foXs Summer School 2026 was tremendously enriching. The interdisciplinary topics, welcoming atmosphere, and dinner conversations made learning profound yet pleasurable—I gained insights in five days that would usually take months. Plus, the Mariastein Monastery environment is breathtaking.

Participating in person alongside such remarkable people was a transformative experience. Engaging with leading scholars like Professor Cavanaugh provided invaluable insights and a powerful impulse for my upcoming academic year. Gatherings like this nourish the spirit—they offer a rare space dedicated to peace, goodness, and deep philosophical exchange.

Five days of lectures, discussions, and private exchange in an atmosphere of respect and curiosity—what else do you need for a fine start to your summer recess? Highly recommended for academics ready to think outside the box. Small-classroom tutorials, insightful exchanges on William Cavanaugh's latest work, and a relaxed, monastic environment in Mariastein made this a deeply rewarding experience.

This summer school far exceeded my expectations. For a week at the serene Mariastein Abbey, our discussions on Prof. William Cavanaugh’s “The Uses of Idolatry” brought theology, philosophy, and art into a rich dialogue. I found rare freedom to speak openly about faith while subjecting those questions to rigorous philosophical inquiry. Beyond the intellectual joy, I was deeply moved by the openness of the group: we held different convictions, yet shared a willingness to stand alongside one another without erasing our differences. Everyone I met at the summer school became, for me, not only a teacher and a role model, but also a friend and a companion in thought. If there is ever a next time, I would gladly return and gather with everyone again, to continue those wholehearted conversations and exchanges.

The summer school in Mariastein was lively and stimulating. Professor Cavanaugh’s book was philosophically rich and his insight into the subject matter made the week very valuable for my research. Examining the idea of an enchanted modernity through the lens of idolatry helped me deepen my understanding of the Tanakh—the kind of lives it implores people to lead—as well as signified the arbitrariness and contingency of features of modernity. The discussions were very useful in this regard. The truly global composition of the summer school led to interesting exchanges as well as a refreshing and insightful atmosphere.

Bericht über die foXs-Summer School 2026 in Mariastein

 

Das Forum christliche Studien hat nun schon zum vierten Mal eine Summer School im idyllisch gelegenen Benediktinerkloster Mariastein bei Basel organisiert. Ziel der foχs-Sommerseminare ist es, exzellente Forscherinnen und Forscher mit begabten, im Studium fortgeschrittenen jungen Leuten zusammenzubringen und eine intensive Woche der intellektuellen Auseinandersetzung zu erleben. Auch dieses Mal ist es gelungen, eine akademische Ausnahmefigur zu gewinnen, der US-amerikanische Theologe William T. Cavanaugh.

Gängige Vorstellungen hinterfragen

Cavanaugh ist im deutschen Sprachraum noch wenig bekannt, aber in den USA gehört er zu den öffentlichen Figuren. Immer wieder fällt er durch originelle Thesen auf, so in seinem Buch „The Myth of Religious Violence“, wo er die gängige Rede von „religiöser“ Gewalt bzw. von „Religionskriegen“ in der Geburtsstunde moderner Nationalstaaten in Europa einer fundamentalen Kritik unterzogen hat. Tatsächlich ist diese Verknüpfung von Religion und Gewalt im Zeitalter der Aufklärung entstanden und hat einen im Kern polemischen Charakter, der den komplexen historischen Sachverhalt eher verdunkelt als erhellt. Thema der Summer School war aber nicht das erwähnte Buch, sondern Cavanaughs neuestes: “The Uses of Idolatry”. Diese gross angelegte Studie rehabilitiert den Begriff Idolatrie und wendet diesen gesellschaftskritisch an. Für den amerikanischen Theologen sind Nationalismus und Konsumismus Manifestationen moderner Götzenverehrung.

Wir sind verehrende Wesen

Damit tut Cavanaugh etwas, was in der deutschsprachigen Theologie kaum vorkommt – er überschreitet die Disziplingrenzen und spricht als Theologe über Phänomene, die landläufig in den Kompetenzbereich der Sozialwissenschaften gehören. Aber genau damit erfüllt er ein Kernanliegen von foχs, nämlich ein Denken zu fördern, das die starre und manchmal behindernde akademische Ordnung der disziplinären Zuständigkeiten überwindet.

In einem Schlusskapitel zeigt William Cavanaugh eine Alternative zur Idolatrie, die die Menschen in Abhängigkeit hält, auf: Es ist die Verehrung des wahren Gottes in der eucharistischen Gemeinschaft. Götzenverehrung und Verehrung des wahren Gottes sind verschieden und doch auch ähnlich, denn wir sind alle verehrende Wesen – so die anthropologische Grundthese des Buches.

Unterschiedliche Herkunft, gemeinsamer Bildungshintergrund

Der Einladung, nach Mariastein zu kommen, haben ganz verschiedene Studentinnen und Studenten Folge geleistet: Zwei Personen kamen von englischen Universitäten. Ein peruanischer Teilnehmer studiert gerade in Luxemburg und eine ukrainische Teilnehmerin reiste aus Rumänien an. Die weltanschaulich-religiöse Verankerung der Teilnehmenden umfasste von dezidiert katholischen bis dezidiert atheistischen Auffassungen ebenso ein reichhaltiges Spektrum. Dies sind lediglich Beispiele, die zeigen sollen, wie unterschiedlich die Runde zusammengesetzt war, obwohl alle einen philosophisch-sozialwissenschaftlichen Hintergrund mitbrachten. Dieser gemeinsame Bildungshintergrund ermöglichte eine produktive, intensive, zuweilen glänzende Diskussion. Wir hatten einen Juristen am Tisch, aber keine Theologinnen oder Theologen. Wie ist das zu erklären? Vielleicht dadurch, dass deutschsprachige Theologie nach wie vor in der eigenen, starken Tradition lebt und dazu tendiert, Beiträge aus dem französisch- und englischsprachigen Raum zu vernachlässigen? Heutzutage wäre das zum eigenen Nachteil.

Es gelang

Wie auch in früheren Summer Schools spielte der Ort eine wichtige Rolle: Eine Studienwoche in einem Benediktinerkloster zu verbringen heisst, eine Woche lang an einem Ort der Ruhe, der Konzentration und des Gebets zu leben, wobei die Teilnahme am Stundengebet selbstredend freiwillig war. Jedenfalls können wir eine rundum positive Bilanz ziehen, sowohl was die Zusammensetzung der Gruppe als auch was das Niveau der Diskussionen angeht. Ein solcher Anlass ist zwar planbar, aber der Erfolg stellt sich ein oder eben nicht. Die vierte foχs-Summer School war definitiv ein Erfolg, das bestätigen auch die Aussagen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Für uns als foXs-Kerngruppe bedeutet die Vorbereitung und Durchführung einer solchen Studienwoche einen Kraftakt, zumal zwei von uns auch mit einer eigenen Präsentation angereist sind. Dennoch blicken auch wir mit Genugtuung auf die Zeit in Mariastein zurück.

 

Francesco Papagni

In his recent book The Uses of Idolatry (OUP 2024), William T. Cavanaugh argues that worship has not disappeared from our supposedly «secular» world, but has merely changed its target. Instead of God, created things and structures are worshipped. Cavanaugh examines modern forms of idolatry, such as nationalism and consumer culture, and shows how people become dominated by their own creations.

The book draws on insights from history, theology, philosophy, political science, sociology and cultural studies, describing Western modernity not as a world that has become secular, but as one that has learned to (mis)understand itself as such. By questioning the religious/secular dichotomy, Cavanaugh’s study recognizes idolatry as more than merely a «religious» phenomenon and views the critique of idolatry as a genuinely interdisciplinary project with the aim of revealing how and why we sacrifice ourselves and others to gods of our own design.

The foχs Summer School 2026 offers an opportunity to discuss these provocative theses and approaches with the author and to explore their consequences for our view of ourselves, our culture and our academic work.

William T. Cavanaugh argumentiert in seinem Buch The Uses of Idolatry (2024), dass die Anbetung in unserer angeblich «säkularen» Welt nicht verschwunden ist, sondern sich bloss ihr Ziel geändert hat. Statt Gott werden «materielle» Dinge angebetet. Cavanaugh untersucht moderne Formen der Idolatrie, wie Nationalismus und Konsumkultur, und zeigt, wie Menschen von ihren eigenen Schöpfungen dominiert werden und sich ihnen opfern.

Obwohl Cavanaugh diese modernen Götzen kritisiert, betrachtet er den Götzendienst auch als Ausdruck einer tiefen menschlichen Sehnsucht nach Transformation. Er argumentiert, dass wir alle «glauben» und von Natur aus anbetende Wesen sind. Da es für uns als materielle Geschöpfe schwierig ist, einen unsichtbaren Gott anzubeten, richten wir unsere Hingabe auf Dinge, die uns näher sind.

Das Buch zieht Erkenntnisse aus Geschichte, Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften heran und beschreibt die westliche Moderne nicht als eine Welt, die säkular geworden ist, sondern als eine, die gelernt hat, sich selbst als solche zu (miss)verstehen. Im Kontrast dazu, wendet sich Cavanaugh für eine bessere Beschreibung der Welt biblischen, theologischen und phänomenologischen Ansätzen zu, die Idolatrie als eine destruktive Hingabe an von Menschen geschaffene Dinge betrachten.

Die foχs Summer School 2026 bietet Gelegenheit, diese provokativen Thesen und Denkansätze mit dem Autor zu diskutieren und auf Herz und Nieren zu prüfen.

The Summer School is designed for advanced undergraduate, graduate, and doctoral students in all disciplines, willing to engage in in-depth study of philosophical, intellectual-historical, and theological developments.

Location:
Benedictine Monastery Mariastein, Klosterpl. 1, 4115 Mariastein, Switzerland

Duration:
Monday August 3, 2pm – Friday August 7 2026, 2pm

Costs: 
700 CHF: Includes course fees, accommodation, and all meals. Students who cannot cover their expenses through their home institution and are unable to afford the cost may apply for a reduced fee.

Registration:
Please direct your applications to: summerschool2026@foxs.ch

The number of participants is limited to 15. Please enclose a short CV and letter of motivation.

Die Summer School richtet sich an fortgeschrittene Studierende, Doktorierende und AbsolventInnen aller Fachrichtungen, die bereit sind, sich eingehend mit philosophischen, geistesgeschichtlichen und theologischen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.

Ort:
Kloster Mariastein, Klosterpl. 1, 4115 Mariastein

Dauer:
Mo 3. August, 14.00 bis Fr 7. August 2026, 14.00

Kosten:
700 CHF: Enthält Kurskosten, Unterkunft und alle Mahlzeiten. Studierende, die ihre Ausgaben nicht über ihre Heiminstitution sichern und die Kosten nicht tragen können, können sich für eine ermäßigte Gebühr bewerben.

Anmeldung:
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung an: summerschool2026@foxs.ch

Die Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen beschränkt. Bitte kurzes CV und Motivationsschreiben beilegen. 

ECTS-Punktevergabe für Doktorierende nach Absprache mit der zuständigen fakultären Kommission.

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